Regenerationsmanagement

Die Welt des Sports ist geprägt von intensivem Training, Wettkämpfen und dem Streben nach Höchstleistungen. In diesem Umfeld wird schnelle und effektive Regeneration angesichts ausufernder Wettkampfkalender und hoher Trainingsbelastungen immer wichtiger, um die körperliche und mentale Gesundheit von Athleten*innen zu erhalten und gleichzeitig ihre Leistungsfähigkeit zu steigern.

 

Dabei ist ein effektives Regenerationsmanagement mehr als nur eine Frage der körperlichen Erholung; es geht auch darum, die geistige und emotionale Erholung zu fördern. In diesem Text besprechen wir, was konkret unter den Begriffen Erholung und Regeneration zu verstehen ist, wir zeigen Dir, warum eine ausgewogene Regeneration für Deinen Erfolg im Sport entscheidend ist und wie Du sowohl deinen Körper als auch deinen Geist optimal auf die nächsten Herausforderungen vorbereiten kannst.

Relevanz von Erholung und Regenerationsmanagement

Körperliche und psychische Belastungen gehören zum Sport und damit zum Training – sie sind Teil eines wirksamen Trainingsprozesses und bilden die Grundlage für leistungsfördernde Anpassungen. Da die körperliche Belastbarkeit im Spitzensport vielfach bereits ausgereizt ist, rücken Erholung und Regeneration sowie deren gezielte Optimierung zunehmend in den wissenschaftlichen und praktischen Fokus. Erholung und Regeneration sind unverzichtbar, um die körperliche und mentale Leistungsfähigkeit wiederherzustellen und mit neuer Energie, gesteigerter Motivation und klarem Fokus in das nächste Training oder den bevorstehenden Wettkampf zu starten. Sie dienen ebenfalls der Verletzungs- und Erkrankungsprophylaxe und der Vorbeugung von Übertraining oder Mentaler Ermüdung. Eine bewusste Integration und Planung von Regenerationsphasen in den Trainingsprozess sind daher besonders wichtig.

Belastung und Beanspruchung – warum der Unterschied zählt

Damit Erholung und Regeneration nicht nur als passive Pause verstanden werden, sondern als gezielter Baustein für Leistungsentwicklung, muss man einen Schritt zurückgehen und sich fragen: Wovon sollen Körper und Geist sich genau erholen?

 

Hier kommen die Begriffe Belastung und Beanspruchung ins Spiel. Denn nicht jede Trainingsminute wirkt bei allen gleich. Und genau darin liegt der Schlüssel. Wer Belastung und Beanspruchung besser versteht, kann Erholung viel präziser und wirksamer gestalten. Belastung beschreibt äußere Einflüsse, die als Anforderungen oder Stressoren auftreten – physisch, psychisch oder sozial. Dazu zählen z. B. ein hoher Trainingsumfang, kognitive Anforderungen im Techniktraining oder zwischenmenschliche Spannungen im Team.

 

Beanspruchung hingegen ist die individuelle Reaktion auf diese Belastungen – also, wie stark Körper und Psyche tatsächlich gefordert werden. Diese Reaktion hängt von vielen Faktoren ab: Fitnesszustand, Stressresistenz, Persönlichkeit, Tagesform oder Erfahrung.

 

Kurz gesagt: Belastung kommt von außen, Beanspruchung entsteht innen in der Verarbeitung der Reize. Das bedeutet auch, dass nicht alle Sportler*innen gleich auf denselben Reiz reagieren und genau deshalb müssen auch Regenerationsmaßnahmen individuell angepasst werden.

Erholung und Regeneration – wo liegt der Unterschied?

Insgesamt ist Erholung als ein facettenreiches Phänomen zu verstehen, da sowohl zeitliche Komponenten (Erholung während oder zwischen aufeinanderfolgenden Belastungen) als auch belastungs-, adressaten- und umweltspezifische Besonderheiten von Bedeutung sind (vgl. Kellmann & Kallus, 2000). Verschiedene Autor*innen sehen Erholung auch als einen biopsychosozialen Wiederherstellungsprozess in Folge eines Ungleichgewichtes durch äußere oder innere Faktoren an, durch den ein homöostatisches Gleichgewicht wiedergewonnen werden kann (Halson, 2014). Die unterschiedlichen Ebenen (z.B. muskulär, metabolisch, mental, emotional), verschiedene zeitliche Verläufe und interindividuelle Unterschiede ergeben dabei eine Komplexität, die wahrscheinlich auch die bisher verhältnismäßig geringe wissenschaftliche Aufarbeitung dieses Feldes begründet.

 

Erholung kann dabei durch verschiedene Modalitäten wie Regeneration oder psychologische Wiederherstellungsstrategien gekennzeichnet sein und wird von vielen Autor*innen als übergeordnetes Konzept verstanden. Regeneration bezieht sich dabei im sportlichen Kontext meist auf den physiologischen Aspekt der Erholung in Folge von körperlicher Ermüdung durch Training oder Wettkampf. Kellmann und Kallus (1999) schreiben der Regeneration dabei einen Handlungscharakter zu und definieren die psychophysische Regeneration als einen intentionalen, geplanten und kontrollierten Prozess, der der Wiederherstellung der physischen und psychischen Leistungsfähigkeit dienen soll. Ein zentrales Merkmal des psychologischen Anteils der Erholung ist hingegen deren Verbindung mit positiven Emotionen (Kellmann & Kallus, 1999). Die der Erholung zugrundeliegenden emotionalen Prozesse sind dabei ebenfalls vielfältig und können interindividuell unterschiedlich ausgeprägt sein.

So erholen sich Athlet*innen

 

Ob mentale Entspannung, Nachdehnen, Powernaps, Kaltwasser oder Sauna – wir haben Athlet*innen gefragt, was ihnen persönlich am besten hilft, um nach Belastung körperlich und mental zu regenerieren. Zusätzlich gibt ein Trainer Einblicke, wie er Regenerationsmanagement gezielt im Trainingsalltag einsetzt.

Maren Völz, Rudern

 

"Am meisten hilft mir der Powernap und Mobilsation/Dehnung. Der Powernap hilft mir, um das Nervensystem während eines anstrengenden Trainingstags auch mal runterzufahren und dann wieder frisch die nächste Einheit anzugehen. Mobilisation und Dehnung nutze ich auch gerne, vor allem zum Warm-Up und zur Verletzungsprävention. Fühlt sich auch gut an, beweglich zu sein und Bewegungen so besser ausführen zu können."

Kiara Klug, Gewichtheben

  

"Ich bin riesiger Fan von Sauna und Eisbad und versuche das in Kombination mindestens einmal die Woche mit einzubauen. Dort kann ich richtig gut entspannen und mal abschalten, besonders, weil ich 2 Stunden mein Handy mal nicht checke. An einem Tag mit 2 Trainingseinheiten ist ein Powernap Pflicht, Ich stelle meistens den Wecker auf 30 Minuten, brauche so 10 Minuten zum Einschlafen und hab dann 20 Minuten geschlafen, genug, für einen kleinen Reset, sodass ich mich danach frischer fühle."

Saskia Oettinghaus, Wasserspringen

 

"Zur Erholung für meinen Körper und meinen Kopf gehe ich am liebsten mindestens 1x pro Woche in die Sauna und kombiniere meine Saunagänge mit kalten Bädern. Ansonsten lege ich viel Wert auf meine Ernährung und gebe meinem Körper alle nötigen Nährstoffe, damit er sich bestmöglich regenerieren kann."

Léa Krüger, Fechten

 

"Für mich ist Yoga ein super wichtiger Bestandteil meiner Regeneration geworden. Meinen Körper durch die Übungen zu mobilisieren und zu dehnen und gleichzeitig auch den Geist und Kopf darauf zu fokussieren, wie es meinem Körper und mir geht und was ich gerade physisch und psychisch brauche."

Lena Röhlings, Kanu-Rennsport

 

"Saunagänge helfen mir sehr gut bei der Regeneration. Insbesondere nach einem intensivem Trainingstag und langen Krafteinheiten habe ich das Gefühl durch die Wärmezufuhr und Durchblutungsförderung Muskelkater reduzieren oder verhindern zu können. Auch fällt es mir leicht, dabei abzuschalten und mir eine Auszeit vom Alltag zu nehmen."

Martin Walz, Trainer und Sportpsychologischer Experte

 

Recovery Management sollte fest in den Load integriert sein. Unter anderem integriere ich mit meinen verschiedenen Teams folgende Techniken:

  • Yoga, Bodyscan und Atemarbeit zur Aktivierung am Morgen vor dem Training.
  • Neurozentrierte Ansätze vor dem Wettkampf, um die neuronalen Systeme für Aufmerksamkeit und Wahrnehmungsschnelligkeit zu erhöhen.
  • Eisbaden zwischen harten Wassereinheiten für die physiologische Erholung sowie höhere Verfügbarkeit von Noradrenalin und Dopamin als Neurotransmitter im Striatium.
  • Apnoe Training und Atemtraining, um den Vagus- und Zwerchfellnerv zu trainieren.
  • Progressive Muskelrelaxierung und Motor Imagery Training (Visualisierungstraining) nach den Videoanalysen für die multimodale Integrierung im Technik- und Taktik-Training.

 

Zudem verwenden wir gezielt Stress und Angst-/Simulationstraining unter Laborbedingungen in Kombination mit Techniken der Aktivierungsregulation, z.B. in der Vorbereitung auf gefährliche Wellen, beim Surfen, wie die Olympiawelle in Tahiti.

 

Die Facetten des Regenerationsmanagements nach dem Auto-D-R-A-M-M-A-Modell

Eine hilfreiche Unterteilung kann dabei auch das Auto-DRAMM-AModell (Kujanpää et al., 2021) darstellen, das für sechs zentrale Erholungs- und Beanspruchungsdimensionen steht:

 

Das Modell betont, dass Erholung nicht nur körperlich, sondern auch psychologisch und sozial stattfindet. Athlet*innen können körperlich ausgeruht, aber mental gestresst sein, oder umgekehrt. Um Erholung optimal zu gestalten, müssen nicht alle Faktoren gleichzeitig erfüllt sein, aber ein Mix aus ihnen erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Freizeit auch tatsächlich zur Regeneration führt. In dem Zusatz „Auto" geht es darum, dass man selbstverantwortlich alle fünf Dimensionen aktiv gestaltet und steuert. Das bedeutet:

 

  • Erholung wird bewusst geplant, nicht dem Zufall überlassen.
  • Man erkennt frühzeitig individuelle Belastungsanzeichen und steuert gezielte Gegenmaßnahmen.
  • Der Fokus liegt auf Achtsamkeit und Selbstregulation – also der Fähigkeit, eigene Bedürfnisse zu erkennen und angemessen darauf zu reagieren.

Im Sportkontext könnte das z. B. folgendermaßen aussehen:

 

  • Desorption (Abschalten): Handy ausschalten, bewusst Abstand zu Sportthemen schaffen.
  • Relaxation (Entspannung): Entspannungsverfahren wie Autogenes Training oder Progressive Muskelentspannung (PMR) anwenden.
  • Autonomy (Selbstbestimmung): Pausentage bewusst einplanen und aktiv mitgestalten.
  • Mastery (Kompetenzerleben): Etwas suchen, das einen kreativen Ausgleich schaffen kann – z. B. eine Sprache oder ein Instrument lernen.
  • Meaning (Sinnhaftigkeit): Aktivitäten verfolgen, die persönlich wichtig sind – z. B. Engagement oder Ziele außerhalb des Sports.
  • Affiliation (soziale Eingebundenheit): Qualität sozialer Kontakte stärken – z. B. bewusste Zeit mit Familie & Freund*innen.

Zwischenfazit

 

Erholung und Regeneration sind mehr als eine Pause – sie sind ein aktiver Bestandteil eines gelungenen Trainingsprozesses und brauchen Zeit und Raum. Nur wer die Balance zwischen Erholung und Beanspruchung bewusst gestaltet, schafft die Voraussetzungen für Fortschritt und Leistungsfähigkeit.

 

Vor allem aber: Erholung ist individuell. Was bei der einen Person Wunder wirkt, muss bei der anderen nicht funktionieren, so führen viele Wege nach Rom. Es lohnt sich daher, eigene Bedürfnisse zu erkunden, verschiedene Methoden auszuprobieren, Erfahrungen zu reflektieren und sich mit anderen auszutauschen. Erholung ist kein starrer Plan, sondern ein persönlicher Prozess, den Du aktiv gestalten kannst.

 

Damit Dir das leichter fällt, stellen wir Dir im nächsten Abschnitt verschiedene Regenerationsmethoden vor, die Dich für Deinen eigenen Weg inspirieren können.

Praxistools zur Veranschaulichung

 

In der sportpsychologischen Arbeit nutzen wir gerne Bilder und Metaphern, um komplexe Prozesse greifbarer zu machen – auch, wenn es um Themen wie Regeneration und Energiemanagement geht. Im Folgenden haben wir euch psychoedukative Modelle und praktische Tools zur Veranschaulichung zusammengestellt. 

Scherenmodell der Erholung und Beanspruchung

Ein Modell, das den Zusammenhang von Erholung und Beanspruchung anschaulich darstellt, ist das sogenannte Scherenmodell (Kellmann, 2002). Die Grundannahme des Modells ist es, dass mit zunehmender Beanspruchung die Anforderungen an die Erholung zunehmen. Wird die notwendige Erholung nicht ausreichend realisiert – beispielsweise aufgrund begrenzter zeitlicher Ressourcen – kann ein negativer Kreislauf entstehen. Dabei führt die anhaltend hohe Beanspruchung in Kombination mit unzureichender Erholung zu einem kontinuierlichen Stresszustand, der langfristig die Leistungsfähigkeit und das Wohlbefinden beeinträchtigen und zu einem chronifizierten Ungleichgewicht führen kann.

 

Ein hoher Beanspruchungszustand erfordert also gezielte Erholungsmaßnahmen. Das Modell verdeutlicht auch, dass Erholung und Beanspruchung in einem kontinuierlichen Gleichgewicht stehen sollten, um Leistungsfähigkeit nachhaltig zu gewährleisten und dass Erholung eine Ressource ist, die aufgebaut werden kann, um die Beanspruchungskapazität zu erhöhen.

 

Sprich, achte darauf, wie die Belastungen Deines Alltags auf Dich wirken, was okay so ist und wo Du vielleicht auch etwas ändern kannst hinsichtlich persönlicher Stressverstärker oder ungünstigen Organisationsabläufen. Und ganz wichtig, lerne Dich gut kennen und finde für Dich heraus, was Dich gut erholt auf den verschiedenen Ebenen (körperlich, mental und emotional) und baue diese Sachen regelmäßig in Deinen Alltag ein. Dabei gilt lieber kleine Dinge machen als große aufschieben. 

Das Energiefass-Modell

Das Energiefass ist eine hilfreiche Metapher zur Sensibilisierung von Erholung, Beanspruchung und Energiemangement. Es symbolisiert die verfügbaren Energieressourcen. Belastungen wie intensive körperliche Trainingseinheiten, aber auch Misserfolge, Konflikte oder Stress können für Energieverluste sorgen, während Erholungsmaßnahmen das Fass wieder auffüllen können. 

 

Je größer die Beanspruchung, desto schneller leert sich das Fass. Bleibt es über längere Zeit leer, kann das zu Erschöpfung und Leistungseinbußen führen. Erholung ist entscheidend, um das Energieniveau zu stabilisieren und das Fass wieder aufzufüllen. Wer bewusst darauf achtet, wie voll sein Fass ist, kann frühzeitig gegensteuern und nachhaltige Leistungsfähigkeit sichern.

 

Das Energiefass-Modell ist ein einfaches, aber effektives Werkzeug zur Selbstreflexion: Welche Aktivitäten füllen Dein Fass und welche leeren es? Wie voll ist Dein Fass jetzt gerade in diesem Moment? Wie ist dein Energielevel im Verlauf des Tages oder im Verlauf der Woche?

Spannend kann auch mal der Vergleich sein, wie oft man am Tag den Akku des Handys prüft und wie oft man sich Zeit nimmt mal zu gucken, wie es einem selbst geht.

Regenerationsmaßnahmen

Die folgenden Ergebnisse sind den Broschüren „Regenerationsmanagement im Spitzensport" und „Regenerationsmanagement im Spitzensport (Teil 2)" aus dem interdisziplinären Projekt „Optimierung von Training und Wettkampf: Regenerationsmanagement im Spitzensport" (REGman) entnommen.

Aktive Erholung

Aktive Erholung umfasst selbstständig durchgeführte körperliche Aktivitäten nach intensiven Trainings- oder Wettkampfbelastungen. Häufig dient sie als erste oder einzige Maßnahme zur Regeneration. Typische Methoden sind langsames Auslaufen, Ausradeln oder Ausschwimmen, wobei eine Intensität von unter 60 % der maximalen Leistungsfähigkeit angestrebt wird.

Wissenschaftliche Einschätzung: Die Evidenz zur Wirksamkeit aktiver Erholung ist nicht eindeutig, da keine messbaren Vorteile gegenüber passiver Erholung nachgewiesen wurden. Dennoch kann sie subjektiv als angenehm empfunden werden und sich bei kurzfristig folgenden Belastungen positiv auswirken.

Nachdehnen/Stretching

Beim Nachdehnen wird die beanspruchte Muskulatur nach dem Training oder Wettkampf gedehnt.

Wissenschaftliche Einschätzung: Wissenschaftlich sind die Vorteile des Nachdehnens nicht eindeutig belegt. Es gibt keine bedeutsam messbaren Vorteile zur Reduktion von Muskelschmerzempfinden und beschleunigten Leistungswiederherstellung. Jedoch hat Nachdehnen auch keinen negativen Einfluss auf die Regeneration. Es kann subjektiv als wohltuend empfunden werden und zur Entspannung sowie Schmerzlinderung beitragen.

Kälteanwendungen (Kaltwasser, Kühlweste, Kältekammer)

Kälteanwendungen, insbesondere Kaltwasserimmersion (10 Minuten bei 12–15°C), gelten als vielversprechend für die Regeneration nach körperlicher Belastung. Dabei werden Muskel- und Körperkerntemperatur gesenkt, wodurch lokale Entzündungsprozesse reduziert werden. Zudem können Kälteanwendungen schmerzlindernd wirken und durch den hydrostatischen Druck des Wassers eine Kompressionswirkung entfalten.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Ganzkörperanwendungen zeigen stärkere Effekte als lokale Kühlmaßnahmen. Kaltwasserimmersion ist effektiver als Kühlwesten oder Kältekammern. Besonders nach intensiven Belastungen in heißem Klima sind positive Effekte auf das Wohlbefinden und das subjektive Erholungsempfinden nachgewiesen. Zwischen zwei Trainingseinheiten oder Wettkampfeinsätzen sind Kälteanwendungen kontraproduktiv.

Kompressionskleidung

Durch enganliegende Kompressionskleidung wird eine Leistungssteigerung während der körperlichen Belastung und eine verbesserte Regeneration nach Belastungen angestrebt. Eine mittlere Kompressionsstärke, die mindestens 48 Stunden getragen wird, kann potenziell positive Effekte haben.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Einige Studien zeigen reduzierte Muskelschädigungsmarker und geringere Muskelschmerzen nach Belastungen. Allerdings ist die wissenschaftliche Evidenz zur Regenerationsförderung uneinheitlich. Entscheidend ist, dass die Kleidung als angenehm empfunden wird und zur jeweiligen Sportart passt.

Sauna

Saunaanwendungen werden oft zur Entspannung genutzt, doch ihre regenerativen Effekte im Leistungssport sind nicht eindeutig belegt. Wichtig ist eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr, um den durch Schwitzen verursachten Flüssigkeitsverlust auszugleichen.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Es gibt nur wenige Studien zu kurzfristigen und langfristigen Auswirkungen auf die sportliche Leistungsfähigkeit. Auch gibt es keine standardisierten Empfehlungen zur optimalen Dauer von Saunagängen zur sportlichen Regeneration.

Sportmassagen

Sportmassagen werden in der leistungssportlichen Praxis häufig zur Regeneration, Vorbereitung auf Wettkämpfe sowie zur Prävention und Rehabilitation von Verletzungen eingesetzt. Während sie subjektiv als angenehm empfunden werden und das Wohlbefinden steigern können, sind leistungssteigernde Effekte nur begrenzt nachweisbar.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Massagen können entzündliche Prozesse im Muskel reduzieren, indem sie die Zytokinproduktion hemmen. Die Auswirkungen auf die körperliche Leistungsfähigkeit sind jedoch gering. Allerdings kann der subjektiv als positiv empfundene psychologische Effekt leistungssteigernd wirken, indem er das Wohlbefinden verbessert und zur mentalen Entspannung beiträgt. Unter bestimmten Bedingungen, etwa bei kurzen Regenerationsphasen nach intensiven Belastungen, können Sportmassagen daher eine sinnvolle Ergänzung im Regenerationsmanagement sein.

Foam Rolling

Foam Rolling ist eine Form der Selbstmassage mit Rollen oder Bällen zur Lockerung von bestimmten Muskelgruppen. Ziel ist die Entlastung des faszialen Gewebes und die Reduktion drucksensitiver Schmerzrezeptoren.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Foam Rolling verbessert kurzfristig die Beweglichkeit, ohne die Leistungsfähigkeit negativ zu beeinflussen. Zudem kann es das Muskelschmerzempfinden reduzieren. Ein eindeutiger Nachweis für eine beschleunigte Leistungswiederherstellung fehlt jedoch.

Schlafhygiene & Powernapping

Guter Schlaf ist essenziell für die Regeneration. Internationale Wettkämpfe mit Zeitverschiebung können den Schlafrhythmus beeinträchtigen, weshalb gezieltes Schlafmanagement wichtig ist. Strategien zur Schlafhygiene umfassen einen konstanten Schlaf-Wach-Rhythmus, eine feste Abendroutine, Verzicht auf Bildschirme am Abend sowie eine angepasste Schlafumgebung. Mehr Tipps dazu findest Du im Thema „Schlafhygiene"

 

Powernapping sind kurze Schlafphasen von meist unter 30 Minuten, die eine sinnvolle Ergänzung, insbesondere zwischen zwei Trainingseinheiten oder Wettkämpfen sein können. Da der Kurzschlaf örtlich flexibel durchführbar ist, lässt er sich gut in den Alltag von Athlet*innen integrieren. Mehr dazu, wie man Powernaps gezielt einsetzen kann, findest Du beim Thema „The Power of Nap".

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Obwohl die wissenschaftliche Evidenz zur Wirksamkeit von Powernaps noch begrenzt ist, zeigen erste Befunde vielversprechende Effekte. Empfohlen werden Kurzschlafphasen unter 30 Minuten, um Tiefschlaf zu vermeiden und die Erholung zu maximieren.

Psychologische Entspannungsverfahren

Zu den psychologischen Entspannungsverfahren zählen z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, meditative und imaginative Verfahren, Atemregulation sowie Biofeedback. Einige Entspannungsverfahren können kurzfristig im Wettkampf helfen, störende Gedanken zu reduzieren, die Konzentration zu verbessern und gezielt Entspannung oder Aktivierung zu fördern. Langfristig zielen Entspannungsverfahren darauf ab, die Regeneration nach Training und Wettkampf zu unterstützen und Selbstregulationsfähigkeiten zu fördern.

 

Die Anleitung durch eine Fachkraft ist zu Beginn empfehlenswert, um eine eigenständige Anwendung zu ermöglichen. Ein wichtiger Bestandteil der erfolgreichen Anwendung ist außerdem eine geeignete räumliche und zeitliche Basis, indem Ablenkungen vermieden werden – beispielsweise durch das Weglegen des Handys.

  

Hier kannst Du Dir angeleitete Entspannungsübungen aus der Serie #sportlichgesund vom OSP Berlin und der AOK Nordost anhören.

 

Wissenschaftliche Einschätzung: Studien zeigen, dass Entspannungsverfahren die natürliche Erholung beschleunigen können, wobei insbesondere Atemregulation positive Effekte auf die Leistungsfähigkeit zwischen Belastungen hat. Andere Methoden wie Progressive Muskelentspannung oder Yoga wirken subjektiv erholend, ohne die Leistung zu beeinträchtigen.

 

Mehr Hintergrundwissen und konkrete Tipps zu Entspannungsmethoden findest Du in der Rubrik "Entspannungsverfahren".

Fazit Regenerationsmaßnahmen

 

Es gibt keine universell überlegene Regenerationsmethode – stattdessen hängt die Wirksamkeit maßgeblich von individuellen Faktoren, der Sportart und der spezifischen Belastungssituation ab. Während grundlegende Maßnahmen wie eine schnelle und angemessene Nahrungs- und Flüssigkeitszufuhr vor und nach körperlicher Belastung, Ruhetage sowie ein optimiertes Schlafmanagement nachweislich zur Erholung beitragen, sind viele weitere Verfahren wie aktive Erholung, Wärme- oder Kälteapplikationen, Sportmassagen oder Kompressionskleidung hinsichtlich ihrer funktionalen Wirksamkeit umstritten. Die Effekte dieser Methoden sind oft gering und zeigen eine große individuelle Streuung.

 

Die Aufwand-Nutzen-Abwägung sollte immer nach dem Prinzip der Sportartspezifität und Individualität erfolgen. Was für eine Sportlerin oder einen Sportler gut funktioniert, kann für eine andere Person wirkungslos oder sogar kontraproduktiv sein. Neue Maßnahmen sollten daher zunächst unter Trainingsbedingungen getestet werden, bevor sie in den Wettkampf integriert werden, um ihre Verträglichkeit sicherzustellen.

 

Um die optimale Erholungsstrategie zu finden, ist es entscheidend, viel auszuprobieren, den eigenen Körper kennenzulernen und die Wirkung der Methoden gezielt zu beobachten. Regeneration ist dann am effektivsten, wenn sie regelmäßig als fester Bestandteil des Trainingsalltags eingesetzt wird. Wichtig ist dabei auch die Kommunikation mit Trainer*innen und Betreuer*innen, um Erholungsmaßnahmen gezielt anzupassen und die individuell beste Strategie zu entwickeln.

Sobald sich bestimmte Maßnahmen bewährt haben, sollten sie konsequent in die persönliche Regenerationsroutine aufgenommen werden – gleichzeitig bleibt es wichtig, offen für Anpassungen zu bleiben, da sich individuelle Bedürfnisse und sportliche Anforderungen im Laufe der Zeit verändern können.

Quellenangaben

 

Halson, S. L. (2014). Monitoring training load to understand fatigue in athletes. Sports Medicine, 44(S2), S139-S147.

 

Kellmann, M. & Kallus, K. W. (1999). Mood, recovery-stress state, and regeneration. In M. Lehmann, C. Foster, U. Gastmann, H. Keizer & J. M. Steinacker (Eds.), Overload, fatigue, performance incompetence and regeneration in sport (pp. 101–117). New York, NY: Plenum.

 

Kellmann, M. & Kallus, K. W. (2000). Der Erholungs-Belastungs-Fragebogen für Sportler; Manual. Frankfurt: Swets & Zeitlinger.

 

Kellmann, M. (2002). Enhancing recovery: Preventing underperformance in athletes. Champaign, IL: Human Kinetics.

 

Kujanpää, M., Syrek, C., Lehr, D., Kinnunen, U., Reins, J. A. & De Bloom, J. (2021). Bedürfnisbefriedigung und optimales Funktionieren in Freizeit und Beruf: Eine longitudinale Validierungsstudie des DRAMMA-Modells. Journal of Happiness Studies, 22 (2), 681–707.

 

Meyer, T., Ferrauti, A., Kellmann, M., & Pfeiffer, M. (2016). Regenerationsmanagement im Spitzensport: REGman – Ergebnisse und Handlungsempfehlungen. Köln: Sportverlag Strauß. Sonderpublikation des Bundesinstituts für Sportwissenschaft. ISBN 978-3-86884-589-1.

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